Mietwagen im Urlaub

… was kann da schiefgehen???

Hier kommt eine wahre Geschichte zum Thema Mietwagen. Sie enthält alles, was ein guter Katastrophenbericht braucht: unschuldige Opfer, feindliche Technik, viel Alkohol und ein Kanon. Sie spielt auf Ibiza und hat beinahe ein Happy End…

Abhängen am Strand und an nichts denken – auch und vor allem nicht an den Mietwagen – so soll es sein!

Es ist August auf Ibiza und über 33 Grad im Schatten, also genau richtig für einen Ausflug an die Cala Llonga, einem Strand im Osten der Insel. Unser Mietwagen ist zwar kleiner als gedacht und komplett zerbeult, aber das sind wir gewohnt. Immerhin fährt er, die Gänge springen nicht raus (wie letztes Jahr) und noch sind alle Seitenspiegel dran (länger als eine Woche kann man sich auf dieser Insel nicht daran erfreuen, dann bricht irgendjemand sie am geparkten Wagen ab). Außerdem geht die Klimaanlage – hurra!

 

Seit vielen Jahren leihen wir Autos auf Ibiza und es war schon alles dabei. Löcher am Boden, ein kaputter Tank, ein Kofferraum, der nicht mehr zu öffnen war, ein Kolbenfresser, ein fliegender Scheibenwischer. Über fünf Millionen Menschen kommen jedes Jahr auf die Insel. Alle wollen ein Auto. Die Vermietungen sind chronisch unterbesetzt, die Mitarbeiter schlecht gelaunt und ab Juli zu Mord und Totschlag bereit, falls man irgendwie widerspricht oder nachfragt. Aber so lange die Sonne scheint und der Wagen fährt, sind wir glücklich.

 

Wir parken also den grauen Renault etwas abseits vom Strand an einer ruhigen Bergstrasse, genießen den Tag und laufen gegen 15 Uhr zum Wagen zurück. Überraschung! Das Auto hat vorne links einen Platten. Keine Ahnung warum, aber weiterfahren geht nicht.

 

Was tun in solch einer Situation? Man sucht die Mietunterlagen raus, befreit sie von Sand und Staub und ruft die angegebene „Notfallnummer“ vom Handy aus an. Was ist eine Notfallnummer? Man könnte meinen, sie dient dazu, die örtliche Mietwagenfirma über den Notfall zu informieren. Weit gefehlt. Die Nummer existiert zwar, aber das ist ihre einzige Funktion. Wir versuchen es gefühlte fünfzig Mal, warten, lauschen, rufen hallo, umsonst. Niemand geht dran. Es ist bereits 16 Uhr, die Handys halb leer.

 

Also gehe ich auf Google und suche nach weiteren Firmennummern. Tatsächlich gibt es eine Zentrale auf dem spanischen Festland in Valencia. Dort lande ich in einer Warteschleife und an einen Automaten, der mich fragt, ob ich mit jemandem reden möchte, der Englisch spricht. Ja, das möchte ich und werde daraufhin gleich wieder rausgeworfen. Immer wieder. Durchschnaufen. Dann die Lösung. Ich behaupte, ich möchte eine Beratung auf Spanisch und werde tatsächlich durchgestellt. Moment, sagt die Dame, ich verbinde sie weiter. Zack wirft sie mich raus. Noch mal, noch mal, noch mal. Hurra ein neuer Mitarbeiter. Er kann sprechen, er kann denken, er kann zuhören. Warum rufen Sie nicht die Zentrale auf Ibiza an, fragt er.

 

Das haben wir, sage ich, zu der Zeit noch recht ruhig, und erzähle, was los ist. Und er verspricht, mich mit seinen Kollegen auf Ibiza zu verbinden. Wie oft ich dann wieder rausgeflogen bin und wieder in Valencia angerufen habe, lasse ich hier mal weg. Irgendwann klappt die Verbindung Valencia – Ibiza, und es geht jemand dran. Als erstes möchte der Mitarbeiter wissen, wie ich an seine Nummer gekommen bin. Ich berichte von unserer Connection nach Valencia. Ach so, sagt er, dann sind Sie hier falsch. Sie müssen die hiesige Notfallnummer anrufen. Mit diesem Tipp möchte er gleich wieder auflegen. Aber ich bin nicht in der Stimmung für seine Idee und sage das auch recht deutlich. Er nimmt seufzend unseren Schaden auf und verspricht, einen Abschleppwagen und ein Taxi zu schicken. Damit sollen wir zur Zentrale kommen und einen neuen Wagen bekommen.

Ein vorbildlicher Sonnenuntergang und der Abschleppwagen lässt auf sich warten. Da steigt die Stimmung!

Zwei Stunden später sitzen wir immer noch am selben Straßenrand und sehen schon etwas obdachlos aus. Sand und Salz kleben auf der Haut, die Bikinis und die Shorts sind auch nicht mehr das, was sie heute Vormittag waren. Endlich quält sich ein riesiger Abschleppwagen den Berg hoch. Heraus springt ein stämmiger Mann, groß, betrunken und sauer. Wo denn die Scheißkarre wäre und wie wir das mit dem Platten hingekriegt hätten. Verstehen kann man ihn nicht, aber es ist auch so klar, was er meint. Wir sagen besser gar nichts und nicken ihm ergeben zu. Er senkt die Laderampe, befestigt ein Abschleppseil am Auto und brüllt wütend vor sich hin. Seine Fahne überwindet mit Leichtigkeit die Distanz zu unserem neuen, zweiten Zuhause, dem Straßenmäuerchen.

 

Nun ist es so, dass ein Auto, das einen Platten hat, dem Boden näher ist als normalerweise. Wir wissen das, aber der Abschlepper nicht. Er setzt das Seil in Bewegung, und der Renault, der bis dahin zwar viele Beulen aber sonst keine Schäden hatte, sieht seinem letzten Stündlein entgegen. Als er auf die Rampe gezogen wird, gibt der ganze Unterboden nach und alles, was daran befestigt war. Uns fliegen Auspuff, Schrauben und andere interessante Dinge um die Ohren. Wie drei Erdmännchen schauen wir fassungslos zu, wie unser Auto in seine Einzelteile zerlegt wird. Es knallt und scheppert, aber das ficht unseren Abschlepper nicht an.

 

Als der Neuschrott oben ist, will der Mann gleich wieder los, doch wir deuten zaghaft auf die verlorenen Metallstücke auf der Straße. Da bückt er sich und schmeißt sie außer sich vor Wut auf das Auto drauf. Was er dabei schreit, kann man nicht übersetzen. Mit hoher Geschwindigkeit, laut hupend und im brachialen Zickzackkurs rast er den Berg wieder runter.

 

Nun gut. Was weg ist, ist weg. Jetzt müssen wir nur noch auf das Taxi warten. Allmählich wird es dunkel. Endlich, endlich schleppt es sich den Berg hoch. Auch der Taxifahrer ist – wen wundert es – schlecht gelaunt und nicht bereit, sich mit seiner Aufgabe, uns in die Vermietungszentrale zu fahren, abzufinden. Er schlägt als erstes vor, uns zur nächsten Bushaltestelle zu fahren. Er hat nämlich schon Feierabend und keinen Bock mehr. Ein Blick in unsere Gesichter verrät ihm allerdings, dass wir ganz anderer Meinung sind. Also fährt er, laut vor sich hin schimpfend und mit der Geschwindigkeit eines Berserkers, in Richtung Süden. Die Zentrale am Flughafen ist noch drei Kilometer entfernt, als er beschließt, dass er die Schnauze voll hat und wir hier, mitten auf der Straße aussteigen sollen. Er wohnt da vorne und es reicht ihm so was von.

 

Und so laufen wir, einen alten Kanon singend, auf die Lichter des Flughafens zu. Frère Jacques, rufen wir, dormez-vous? Angeblich kann man besser laufen, wenn man singt. Das gilt nicht nur fürs Militär, sondern auch für heimatlose Menschen in Flipflops. Unsere Stimmung schwankt zwischen Lachkrämpfen und Wutattacken. Müde, aber beherzt erreichen wir die Halle mit den Mietwagenschaltern. Die Frau dahinter schaut uns abschätzig von oben bis unten an. Wahrscheinlich hält sie uns für kiffende Hippies, die den Faden im Leben für immer verloren haben. Mit unseren Badesachen und Handtüchern und mit Schaum vor dem Mund sehen wir nicht gerade vertrauenserweckend aus. Was wir denn um diese Zeit noch wollen, möchte sie wissen.

 

Ich erzähle all unsere Abenteuer, als sie nickt und besorgt fragt: Und wo ist das Auto jetzt? Ja, keine Ahnung. Der hauseigene Abschleppdienst hat es doch geholt. Aber es gibt gar keinen hauseigenen Abschlepper und niemand weiß etwas davon. Also wo ist das Auto?? Wie heißt der Mann, der es geholt hat? Und wo ist das Dokument mit der Unterschrift des Fahrers? Es gibt kein Dokument? Tja, sage ich, und es gibt auch kein Auto mehr. Nur noch Reste. Das Auto können Sie getrost abschreiben, das ist nämlich hin. Es ist kaputt, zerstört, geplatzt. Vielleicht hat der Fahrer es am Ende in die Luft gejagt oder gegen neue Flaschen Tequila eingetauscht. Es ist Schrott und zwar für immer. Das Auto ist am Arsch.

 

Die Dame will und kann das nicht glauben. Wir bekommen einen kostenlosen Vortrag über die Zerstörung eines Fahrzeugs und die Folgen. Wieviel wir zahlen müssen für den Verlust eines ganzen Wagens, was das für die Weltgeschichte bedeutet und für uns sowieso! Ob wir überhaupt versichert sind? So, wie wir aussehen, wohl nicht. Ihr Kollege mischt sich ein und fragt, warum wir uns denn so spät gemeldet hätten. Da reißt mir tatsächlich der Geduldsfaden. Weil niemand an die Notfallnummer geht, schreie ich. Niemand, nie!

 

Was denn für eine Nummer? will er wissen. Ich zeige ihm die „Notfallnummer“ auf den Mietdokumenten. Ach so, sagt er müßig, diiiiiese Nummer. Nein, da gehen wir nie dran. Er deutet lässig auf ein Telefon im Hintergrund, das ununterbrochen klingelt. Das läutet ja den ganzen Tag, sagt er. Dafür sind wir viel zu sehr beschäftigt.

 

Vor meinem geistigen Auge sehe ich Generationen von Touristen, die irgendwo in der Pampa stehen, mit ihren leeren Handys in der Hand, am Ende ihrer Kraft.

 

Es endet so: wir bekommen ein neues, verbeultes Auto, kaufen etwas zu essen und zu trinken, fahren nach Hause, schlafen sofort ein. Am nächsten Morgen kommt ein Anruf von der Notfallnummer. Wo denn das Auto sei? Immerhin – das ist der Beweis, dass der Anschluss existiert. Als ich ein Jahr später bei der Neuanmietung eines Wagens dem Mitarbeiter der Firma von unserem Abenteuer erzähle, denkt der kurz nach und gibt mir einen mega Tipp. „Sie brauchen doch nicht auf dem Festland in Valencia anzurufen“, meint er. „Rufen Sie das nächste Mal einfach auf Mallorca an. Die gehen öfter ran ans Telefon als wir hier und verbinden Sie dann.“ Gut, dass wir darüber gesprochen haben…

 

 

Drum prüfe, wer sich bindet: Niemals (n-i-e-m-a-l-s) vor Ort buchen. Die Gebühren und Versicherungen sind meist überteuert und undurchsichtig. Am Ende zahlt man deutlich drauf und ärgert sich. Deshalb buche ich z.B. bei billiger-mietwagen.de . Die Seite ist mehrfacher Testsieger, sucht die günstigsten Angebote heraus und wickelt alle Schadensfälle ab. Und immer (i-m-m-e-r) die Selbstbeteiligung ausschließen. Bevor es losgeht, den Wagen gründlich auf Schäden überprüfen und alles eintragen lassen. Und dann heißt es: Gute Fahrt!

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